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(Überarbeitete Fassung eines Berichtes im Infobrief
der PSM vom Dezember 2005
Diese Überschrift klingt fast wie der Beginn einer Laudatio. Leider ist es aber nur die
Feststellung, dass ich mit dieser zwar nicht ansteckenden Krankheit leben und umgehen lernen
musste.
Es fing 1961 an als ich 22 Jahre wurde. Auf der Kopfhaut bildeten sich nach und nach
einzelne Schuppeninseln. Ich beachtete sie zunächst nicht, außer dass ich häufiger die Haare
wusch. Als ich aber immer wieder auf die Schuppen angesprochen wurde, suchte ich einen
Hautarzt auf. Er konnte mir nicht sagen, was die Ursachen sein könnten und ob es sich um eine
Krankheit handelt. Er verschrieb mir eine „Zinksalbe“, die ich treu und brav auftrug, aber
die Schuppen blieben. Also stellte ich die Behandlung ein.
Neben meinem Job begann ich ein Hochschulfernstudium. Auf diese Doppelbelastung hatte die
Psoriasis nur gewartet, denn nun zeigte sie sich auch an den Ellenbogen und in den Handflächen. In den Händen wurde es so schlimm, dass die Haut tiefe Risse bekam. Mein Arzt verschrieb mir
„tonnenweise“ Vaseline und Wundverbände, damit ich einigermaßen arbeiten konnte.
1963 wurde ich für den Militärdienst gemustert und trotz der offenen Hände als
diensttauglich eingestuft. Ich musste das Studium unterbrechen und bei der NVA (DDR) als
Soldat antreten. An eine Behandlung der Psoriasis war nun nicht mehr zu denken. Ich versuchte
deshalb durch besonders häufigen Umgang mit Waffen- und Maschinenöl die Krankheit zu
verschlimmern, um vorzeitig entlassen zu werden. Das Gegenteil trat ein, die Psoriasis
verschwand bis auf kleine gerötete Stellen an den Ellenbogen. Nach der Entlassung aus dem
Wehrdienst setzte ich mein Studium fort und es dauerte nur ca. ein halbes Jahr und meine
Schuppenflechte war auch wieder da und breitete sich massiv aus. Ellenbogen, Knie,
Brustbereich und Operationsnarben am Bauch waren jetzt befallen. Ich suchte einen anderen
Hautarzt auf, der wie sich herausstellte, sehr viel Erfahrung bei der Behandlung der
Schuppenflechte hatte. Dieser Arzt, der mich bis 1986 behandelte, war es, der mir
erklärte, dass es sich um eine nicht heilbare, aber nicht ansteckende Krankheit handelt, die
Psoriasis oder Schuppenflechte heißt.
Seine Therapie bestand aus UV-Bestrahlung, Sauerstoffbädern, die Meeressalz enthielten und dem
„Schmieren“ von harnstoffhaltigen Salben, die der Arzt selbst zusammenstellte. Außerdem musste
ich Antistressbehandlungen beim Physiotherapeuten besuchen und in unregelmäßigen Abständen
über Nacht Teersalben auftragen. Damit konnte ich leben, denn es gab immer wieder Zeiträume
ohne sonderlich auffällige Schübe.
Nach langen Bemühungen meines Arztes fuhr ich 1978 erstmals zu einer Behandlung nach
Heiligendamm an der Ostsee. Die Kur dauerte sechs Wochen und umfasste eine so genannte
Freikörpertherapie, also Sonnenbad mit freiem Körper am nicht öffentlichen Strand,
unterbrochen von Badegängen in der Ostsee. Als Salbe wurde Vaseline mit Harnstoff gemischt
benutzt. Die Behandlung musste bei jedem Wetter und bei jeder Luft- bzw. Wassertemperatur
durchgeführt werden. War keine Sonne vorhanden, wurde täglich ein halbstündiger „Rundgang“
in einem Bestrahlungsraum vorgeschrieben. Anschließend an die Kur machte ich mit meiner
Familie noch einen zweiwöchigen Badeurlaub und war guter Dinge, denn seit siebzehn Jahren war
ich erstmals wieder ohne Psoriasis. Vier Wochen nach dem Urlaub war die schöne Zeit vorbei,
denn der nächste Schub kam und ich unterzog mich wieder meiner gewohnten Behandlung.
In den folgenden Jahren versuchte ich den Erfolg von 1978 zu wiederholen, indem ich,
mehrmals vier Wochen privaten Urlaub am Schwarzen Meer (Rumänien, Bulgarien, Sowjetunion)
machte, allerdings mit nur geringer Wirkung. Eine zweite Kur 1981 in einer Klinik auf
dem Fichtelberg mit Freikörpertherapie und Wannenbädern hatte auch keinen Erfolg.
Ich fand mich immer mehr mit meinem Schicksal ab und nachdem mein Arzt pensioniert
wurde, ging ich nur noch zum Abholen von Rezepten zu verschiedenen Dermatologen. Meine
Psoriasis blieb mir immer erhalten.
Mit der Wiedervereinigung musste ich mich um eine neue Arbeitsstelle bemühen, denn das
Institut, an dem ich arbeitete, wurde aufgelöst. 1991 bekam ich die Möglichkeit, in
Rheinland-Pfalz in meinem Beruf weiter tätig zu sein. Obwohl ich zwischen Leipzig und Neustadt an der Weinstraße pendeln musste, war ich zwei Jahre beschwerdefrei.
1993 zog ich dann nach Neustadt und musste nicht mehr pendeln, aber die Psoriasis kam
wieder. Mein neuer Hautarzt behandelte mich mit UVB-Bestrahlung und mit selbst
zusammengestellten Salben, was mir sehr gut half. 1997 musste ich die Behandlung
unterbrechen, weil ich täglich von Neustadt nach Rüsselsheim und zurück fahren musste, um
meiner Tätigkeit nachzugehen.
Mein bisheriger Hautarzt war mittlerweile pensioniert, so dass ich inzwischen selbst Rentner
einen neuen Hautarzt suchte, der mich ab 2004 mit „Fumaderm“ behandelte. Drei Monate
nach Beginn der Therapie wurde die Psoriasis immer weniger und ich bin seither wieder einmal
beschwerdefrei. Fast zwei Jahre konnte ich diesen Zustand mit einer täglichen Erhaltungsdosis
von drei Tabletten erhalten. Weil keine über den langen Zeitraum keine Schübe mehr auftraten,
hatte mein Arzt mir zu einer Aussetzung der Therapie geraten. Allerdings kamen immer mal
wieder kleinere Schübe, die ich aber ignorierte.
Ende 2007 bin ich dann nach Leipzig zurückgezogen und hatte bedingt durch den
Umzugsstress und die Umgewöhnung vom beschaulichen Kleinstadtleben an den Großstadttrubel
wieder meine alte Freundin Psoriasis zurück. Allerdings schlug eine erneute „Fumaderm“-Therapie
wieder ohne Nebenwirkungen an. Zurzeit brauche ich nur eine tägliche Erhaltungsdosis von einer
Tablette und bin beschwerdefrei.
Wie lange?
Nachdem ich dreißig Jahre allein mit meiner Psoriasis „gekämpft“ habe, fand ich 1993
Anschluss an eine Selbsthilfegruppe. In dieser Gruppe habe ich erfahren, dass es noch vielen
Menschen so geht und dass nicht alle so gelassen damit umgehen können, wie mir das in den
zurückliegenden Jahren gelungen ist. Ich habe mich deshalb für eine aktive Mitarbeit in dieser
Gruppe entschieden, um anderen Betroffenen zu helfen. Der Gruppe habe ich ab dem Jahr
2000 für acht Jahre als Vorsitzender geleitet. Auch heute, da ich aus familiären
Gründen wieder in Leipzig wohne bin ich der Gruppe noch eng verbunden.
Aber auch meiner Frau möchte ich herzlich danken, die während dieser fast 50 Jahre zu mir
gestanden hat.
Siegfried Töpfer
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